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Endlich Spätsommer


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Endlich Spätsommer. Ich mag es, wenn es am Morgen kühl ist und danach die Sonne herauskommt. Und dann dieses Licht, dieses Spätsommerlicht. Am intensivsten ist es in große Höhe, sage wir mal auf der Meseta in Spanien. Ich möchte dann am Liebsten sofort los. Das ist aber nicht möglich, ich bin ja auf dem Weg zur Arbeit. Nicht möglich!  Google Streetview macht es wahr, sich zu einer Ermita “am Ende der Welt” zu begeben und dort zu sitzen. Alle, die es wollen, lade ich dazu ein. Die Auswahl der Ermita erfolgte diesmal wahllos. Der Zufall hat mich dort hingetrieben. Dennoch ein schöner Ort unter Spaniens Himmel.

Streetview? Ja, Streetview und ich bin dafür. Das ist ein schöner Service! Ehrlich gesagt, verstehe ich das Theater nicht, wenn sich Politiker deswegen aufblähen und dem Bürger noch vergaukeln, es sei zu seinem Besten. Die Rechtsgrundlage ist dazu außerordentlich fragwürdig. Etwas anderes ist es, wenn Google dabei “Daten klaut”, aber das hat dann nichts mit dem Service Streetview zu tun. Und wenn Herr Westerwelle sein Haus pixeln lassen will, meinetwegen. So eine Augenweide wie meine Ermita oben wird es nicht sein. Auch verspüre ich kein Bedürfnis vor Westerwelles Haus länger zu verweilen.

Zwei Blogs möchte ich noch feststellen. Unsere Nachbarn sind gerade in Griechenland und verfassen einen ergötzlichen Kretablog. Marie hat auch einen neuen Blog und der ist hier zu finden …

Euer To. auf dem Weg zur “Ermita am Ende der Welt”

Drei Tage Sachsen-Anhalt

NaumburgZu Beginn der Ferien hatten wir also Besuch aus Caracas, Paulinas Eltern Eunice und Hernan. Das war eine schöne und angenehme Überraschung und wir konnten uns drei Tage Zeit nehmen, Paulina und ihren Eltern touristische Höhepunkte außerhalb der Stadt Halle zu zeigen. Die drei Touren haben sich bewährt und geben einem ausländischen Besucher einen guten Eindruck von der Historie und der Geschichte unseres Bundeslandes. Nähere touristische und historische Informationen möchte ich hier nicht liefern, lediglich drei bewährte Routenvorschläge.

1. Tag: Der Süden, Naumburg und Freyburg

Bei ausgezeichnetem Sommerferienwetter im Juni machten wir am ersten Tag folgende Tour: Zuerst kam der Besuch des steinzeitlichen Sonnenobservatoriums in Goseck, womit wir ganz hinten in der Geschichte angelangt sind, nämlich im Neolithikum und damit noch in der jüngeren Steinzeit. Uns kulturell nächer war der Dom in Naumburg mit seinen Stifterfiguren aus dem Hochmittelalter war die nächste Station. Damit der Ausflug nicht ganz so trocken blieb, besuchten wir in Freyburg die dort gelegene und berühmte Sektkellerei und auf der Neuenburg staunten wir, wie gut sich das dortige Museum inzwischen entwickelt hat. Für Hochmittelalterinteressierte ein unbedingtes MUSS! Für ein gediegenes und entspanntes Abendessen nach den touristischen Tagesmühen empfehlen wir (wieder) die Zeddenbachmühle. Wir saßen über dem Mühlbach nahe an der Unstrut und ließen den Tag noch einmal Revue passieren.

Schlosskirche

2. Tag: Der Höhepunkt: Wittenberg und LutherSachsen-Anhalt hat eine Menge zu bieten: Romantische Städte, Schlösser, Dome, Parks und Ottonen, Steinzeit und Himmelswege, aber weltberühmt und von aller Welt registriert scheint doch einzig und allein die Reformation und der Don Martino Lutero zu sein, unser Reformator Martin Luther! Das es eine reine katholische Expedition zu ihm und seine Stätten war, tat der Sache sicher keinen Abbruch.

Und Wittenberg hat sich ja auch wahrlich herausgemacht: Schon rund um den Marktplatz und in der Fußgängerzone, in Stadtkirche, Lutherhaus und Schlosskirche (alle diese Orte besuchten wir) war es zu merken: Hier finden sich Touristen aus aller Herren Länder, hier gibt es Möglichkeiten, in mehreren Sprachen die Sache zu erfassen, man ist darauf eingerichtet. Besonders angetan waren wir vom Lutherhaus, dass zu einem ausgezeichneten Museum geworden ist, in dem man auch einen halben Tag ohne Probleme zubringen kann, dabei ist die Ausstellung zum Alltagsleben im Keller nicht zu vergessen. Für unsere Gäste aber war es bedeutend einmal an den Plätzen zu stehen, an denen auch Martin Luther gewesen war. Die “evangelische Heiligengalerie” in der Schlosskirche fand ebenso hinreichend Beachtung. Und ich entdeckte die “protestantische Burka” (siehe Foto).

Für den Wörlitzer Park war es daBurkann fast schon zu spät, aber wir schafften nach dem Essen dennoch einen ganz ordentlichen Spaziergang.  In seiner Einzigartigkeit, Verspieltheit und seinem romantischen Flair ist es für mich einer der schönsten Parks überhaupt. Die Kombination von Wasser und Ruinen, die verschiedenenartigen Brücken und Ruheplätze, es ist eine Ideal-Welt erschaffen worden, die leider nur während des Besuches anhält. Für eine Besichtung durch die Kanäle mit dem Kahn reichte die Zeit diesmal leider nicht. Das wird aber dringend empfohlen. Es lohnt sich.

3. Tag: Gernrode und Quedlinburg

Für den letzten Tag unserer Besichtigungstour hatten wir uns Gernrode und Quedlinburg ausgeschaut. Es ging damit zu den Ottonen und in den Harz, der eng mit dieser ersten “deutschen” Dynastie verbunden ist. Auf jeden Fall und das ist sicher, gehören die Ottonen zu Sachsen-Anhalt dazu wie Kaiser Karl zu Aachen oder Kaiser Konstantin zu Trier. Wir haben dagegen unsere Cäsaren Otto. Zuerst besichtigten wir die Stiftskirche in Gernrode, die Ottonik pur hergibt, auch wenn einige Restauratoren da das ihrige dazu beigetragen haben. Wie man mit dem Auto gut an den Schlossberg in Quedlinburg herankommt, wußten wir bereits vom Kaiserfrühling 2006, als wir dort oben mit Freunden lagerten. So besichtigten wir auch die Quedlinburger Stiftskirche, die Krypta mit Heinrichs- und Mathildengrab, Domschatz nicht vergessen, und verschwiegen auch die unheilvolle Rolle nicht, zu der diese Kirche im Nationalsozialismus gezwungen war, nämlich eine Weihstätte des Schreckensregime zu sein. Denn auch das gehört zu unserer Geschichte.

Es lässt sich auch gut essen auf dem Schlossberg mit Blick auf die Stadt. “Und so viele Kirchen”, befanden Eunice und Hernan. Wir schlenderten den Rest des Nachmittags durch die romantischen Gassen, wähGernroderend um uns herum das Fussballinferno tobte. Jedes Tor war zu hören und am Ende stand es 4 : 1 für Deutschland. Auf der Rücktour gerieten wir deswegen in Ballenstedt in einen Autokorso mit Hupen und Schwarzrotgold. Das waren fröhliche Menschen. Ballenstedt macht für Deutschland einen guten Eindruck,

findet jedenfalls der To.

beindruckend!, Gernrode und Quedlinburg.

Abschied und Wiedersehen

Kpaulina.jpgurz: Paulina ist abgereist und Marie ist wieder da!

Endlich ist es Sommer geworden und die Temperaturen sind wundervoll. Nach diesem langen Winter sollte eigentlich keiner mehr über Hitze stöhnen, lange genug wurde gefroren…

Und plötzlich ging alles ganz schnell ! Unser Gastkind Paulina aus Venezuela wurde von den Gasteltern abgeholt. Noch sind sie zusammen auf einer Europareise, aber Ende des Monats geht es zurück in die Heimat. Das Abenteuer Schüleraustausch ist für Paulina zu Ende gegangen. Mitgenommen hat sie hoffentlich schöne Eindrücke bei uns und hervorrag

ende Kenntnisse der deutschen Sprache. Da sollte sie dabei bleiben.  Sie hat nicht nur uns als Freunde gewonnen, sondern auch auf Gut Gimritz und im Elisabeth-Gymnasium. Es war eine tolle Zeit mit ihr. Danke schön, auch an die Organisation Ayusa, die uns Paulina vermittelt hat. Wir werden sicher noch einmal ein Gastkind aufnehmen, auch Kathrin gefiel diese Idee sehr. Adios, Paulina, y quizas hasta luego!

marie-1.jpgMarie haben wir in diesen ersten Juli-Tagen in Leipzig vom Flughafen abgeholt. Sie kam nur mit Umhängetasche und ihren bunten Koffer. Viele ihrer Sachen hatte sie in Pakete gepackt, von denen einige auch schon angekommen sind. Da stand sie nun: Klein und zart, wie sie davongeflogen ist und weinte erst einmal. Sie war wieder zu Hause. Drückte uns und ihre Freundinnen, die mitgekommen sind.

Marie ist wieder da und es gab Weihnachtsessen im Juli. Es ist wieder alles so, wie es sein soll. Irgendwie merkwürdig,

findet To.

Schlechtes Wetter

… und der repräsentative Bundespräsident tritt zurück. Nicht nur mein Regenfass ist also übergelaufen. Auch das vom Präsidenten. Aber ist das ein Grund zum Rücktritt? Vom hoch angesehenen und auch beliebten Präsidenten nun die Metamorphose zum “Null-Bock-Horst” (Süddeutsche). Da frage ich mich doch langsam, was ist mit unseren Konservativen los ?

Es ist ja nicht nur der Präsidente der Bundesrepublik D., sondern da wirft der Roland Koch, dieser brutale Aufklärer und Oberhesse, das Handtuch hin. Fahnenflucht begeht auch der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, der sein Bildungswesen so richtig so konservativ gemacht Kinder schon ab der dritten Klasse in Leistungsträger und Assies sortiert hat und sich nun der Verantwortung ledig ins gemachte Humbold-Nest in Berlin setzt. Außerdem ist da noch der Walter Mixa, dieses Bollwerk der Kirche, vom deutschen Papst an seinen Platz gesetzt und tritt einfach zurück, weil er sich auf Kirchenkosten etwas in Unkosten gestürzt und ein bißchen Kinder gewatscht haben soll. Das wären für die harten Jungs der Konservative doch früher Banalitäten gewesen. Das hätte man doch durchgestanden. Gelacht hätte man darüber. Da gab es auch noch keinen weichen Kern unter der harten Schale. Da war alles hart an den Konservativen. Heute braucht man sie nur ein bisschen anzustoßen und brechen entzwei, kennen weder Verantwortung, Loyalität, noch Arbeitsethos. Nein, sie laufen einfach davon, heulen dabei auf wie getretene Hunde.

Sind die Konservativen denn alle Weicheier geworden? Ich weiß nicht, vielleicht liegt es doch irgendwie am Wetter. Sonst kann es doch gar nicht sein, oder ?

Versteht die (konservative) Welt nicht mehr, der To.

Theaterliebe

Es wird Zeit von einer neuen Liebe zu reden. Es war ein wundervoller Tag, um sich zu verlieben. Ein Pfingstsamstag, wie er im Buche stand. Die Sonne blätterte die Seiten um. Eine neue Liebe beginnt, doch es ist die Zuneigung zu einem Theater. Wie konnte das geschehen?theater.jpg

Wie einst die Hallenser Studenten, denen seit 1771 im pietistischen Halle  das Theater verboten worden war, zogen wir an einem späten Vormittag nach Bad Lauchstädt, aber natürlich nicht mit Pferd und Wagen, voll beladen mit Studenten, Proviant und Wein, sondern mit unserem “Teilauto”.  Es ist eigentlich unglaublich, dazu beschämend zu erzählen, aber wir fuhren nach all den Jahren in Halle das erste Mal nach Bad Lauchstädt ins Theater. Natürlich waren wir deswegen auch viel zu früh da. Denn Theater und Kurpark sind wirklich leicht zu finden, Parkplätze schienen mir ausreichend vorhanden zu sein. Aber das wussten wir eben noch nicht.

Es war ein herrlicher Pfingstsamstag, wie schon gesagt, deswegen ergingen wir uns im Kurpark und im Küchengarten rund um das alte Schloss, nun Goethe-Schule, saßen am Ende vor dem Theater in der Sonne und genossen den Tag, der es so gut mit uns meinte. Wie in der guten alten Zeit wurden in einem Pavillon Eis, Getränke und sogar kleine Speisen für denjenigen bereit gehalten, der dessen bedurfte.

Immerhin, wir saßen vor dem einzig original erhaltenen Theatergebäude der Goethezeit. Vor diesem Bau gab es dort nur eine “Bretterbude” für das Sommertheater in dem mondänen Badestädtchen Bad Lauchstädt. Wen wundert es? Wir standen erst am Beginn einer geordneten Theaterlandschaft. Viele Theaterkompanien zogen ohne festes Haus von Ort zu Ort. 1776 ließ sich eine dieser Kompanien in Bad Lauchstädt nieder und der Direktor erwarb die Konzession für ein festes Haus. Es war diese “Bretterbude”, die der “Titan Goethe” in seiner Funktion als Oberdirektor des Hoftheaters von Sachsen-Weimar übernahm und wegen seiner Unzulänglichkeit bis 1802 als neues Theater nach seinen Vorstellungen und zum Teil mit eigenen Mitteln ausbauen ließ. Schon bei der Eröffnung gab es nicht genug Plätze! Nun hatten die Studenten aus Halle etwas zu feiern: Goethe selbst wandelte unter ihnen, der Popstar der Klassik. Schiller war der Rummel um seine Person dagegen eher peinlich, man brachte ihm selbst abends und morgends Ständchen und damit um seine wohlverdiente Nachtruhe. Wahrscheinlich heißt die gute Stube deswegen heute wohl auch Goethe- und nicht Schiller-Theater.

Theater, ja, das Wort beinhaltet schon ein monumentales Gebäude, ein Musentempel, wie man so sagt. Aber bei Goethes Sommerspielstätte in Bad Lauchstädt mit seinen ca. 450 Sitzplätzen handelt es sich wohl eher um ein Musenkapellchen auf dem Felde, in der Größe von jeder durchschnittlichen Dorfkirche geschlagen. Ein kleiner Bau also, an dem die gewaltigen Stützpfeiler aus grauen Gestein außen aufragen, unverputzt und ein schöner Kontrast zu dem gelben Anstrich. Wir kamen durch den Eingang, der eher einer Puppenstube Ehre täte, aber dennoch ganz hübsch die alte Zeit widerspiegelt. Auch innen ist alles heimelig und gediegen, überschaubar. Wo fanden hier die 630 Leute in der Eröffnungsvorstellung Platz? Fest steht sofort: Ein Phantom der Oper könnte sich hier nicht lange verbergen! Selbst einige von den Musikern passten nicht mehr in den Graben, sondern mussten oben auf der Galerie oder neben dem Publikum ihrem Handwerk nachgehen. Für die Galerie unter der mit Stoff bespannten und bemalten Theaterkuppel hatten wir leider keine Karten mehr bekommen. Wir saßen unten im Zuschauerraum auf Bänken. Vor uns lag der Theatervorhang wie von einer Puppenbühne oder aus einem Kinderbuch der Theatergeschichte. Aber dies ist das Original! Dahinter verbirgt sich allerlei ausgeklügelte Technik und Mechanik, die aus Goethes und Schillers Ideenfabrik stammt: Gassenbühne nennt man das. Aber wo früher einige Bühnenarbeiter mit Rollen und Seilzügen beschäftigt waren, schafft heute ein Motor. Das ist aber schon fast die einzige Änderung.

Nun konnte  das Stück endlich beginnen, es wurde Mozarts “Zauberflöte” gegeben. Die Akustik fanden wir ganz ausgezeichnet. Die Größe des Theaters verringerte den Abstand, man befand sich mitten im Geschehen, im Zentrum der Musik. Es gingen Türen auf und zu, Chöre sangen im Zuschauerraum oder auf der Galerie. Dies soll hier keine Theaterkritik werden, jeder weiß, was er von der “Zauberflöte” zu halten hat! Dennoch, kleine Variationen oder Improvisationen wie von dem Papageno an diesem Nachmittag waren das Salz in der Suppe. Auch fanden wir die Idee, Papageno diesmal als Pinguin erscheinen zu lassen, eine verblüffend gute Idee. Und so intim das Publikum sich hier im kleinen Musentempel sich zusammengefunden hatte, so wurden am Ende die Künstler begeistert gefeiert. Das kleine Theater bebte! Deshalb wohl auch die gewaltige Außenkonstruktion!

So, das war also etwas von der neuen Liebe, die bestimmt, so die Hoffnung, uns erneut erhört und einen weiteren Stelldichein nicht abgeneigt ist.

Euer To.

Es ist auch meine Kirche

Ich habe es mir lange angeschaut. Doch möchte ich als “Bistumsheide” nicht  zu der “größten Krise der Kath. Kirche seit der Reformation” schweigen. Glaube und christliche Kirche sind mir etwas wert und gehören zu unserem Leben. Beginnen wir mit einer Geschichte:

iglesia.jpg

Abraham bekehrt sich dennoch zum Christentum

Auch scheint es mir, nach meinem Dafürhalten, daß sowohl euer Oberhirt als auch die übrigen insgesamt nach seinem Beispiele mit allem Eifer, allem Scharfsinn und aller Mühe bestrebt sind, die christliche Religion, deren Grundpfeiler und Stützen sie zu sein berufen wären, ganz zu zerstören und aus der Welt zu vertreiben.

Dieses Zitat aus einer Geschichte von Giovanni Boccaccios berühmter Novellensammlung, Das Dekameron, stammt vom Juden Abraham, der lange bedrängt von seinem Freund Jeannot, sich zum Christentum zu bekehren, nach Rom geht, um “sich den Laden mal anzusehen”, wie wir heute vielleicht sagen würden. Was er im Zentrum der Christenheit sehen muß, ist erschreckend:

… überzeugte ihn nun bald, daß sie allesamt der Wollust, und zwar nicht nur der natürlichen, sondern auch der sodomitischen, frönten, ohne sich irgend Zaum und Zügel von Scham oder Schande anlegen zu lassen, so daß in den wichtigsten Angelegenheiten der Einfluß der feilen Dirnen und der Knaben von nicht geringer Wichtigkeit war. Außerdem fand er in ihnen insgeheim Schlemmer, Säufer, Trunkenbolde und Geschöpfe, die nach Art der unvernünftigen Tiere nächst der Wollust mehr dem Bauche als irgend etwas anderem gehorchten. Bei genauerer Betrachtung lernte er sie noch außerdem als so geizig und geldgierig kennen, daß sie mit Menschen-, ja mit Christenblut und mit den heiligsten Dingen, Opfern, geistlichen Pfründen oder welcher Art sie immer sein mochten, um Geld einen abscheulichen Handel trieben.

Wie wir heute wissen, wurde bei den dem Juden Abraham zugesprochenen Beobachtungen keinesfalls übertrieben. Was seinen Freund Jeannot dann aber über alle Maßen verwundert, ist die Bekehrung des Juden, der ein gläubiger Mensch, im Fortbestehen des christlichen Glaubens und der tiefen Gläubigkeit und des aufrechten Lebenswandels vieler ihm bekannter Christen trotz dieser verruchten Zentrale ein Wirken des Heiligen Geistes sah. Er wurde also trotz der Verfehlungen des Klerus Christ. Der Glauben der Laien reichte ihm vollkommen aus.  Sie sind für ihn Kirche. Warum reicht es uns heute nicht mehr? Warum sind wir so unendlich mehr auf den Priesterstand fixiert? Was haben uns die armen Kerle eigentlich getan? Sie sind doch auch nur Menschen !

Nette alte Knaben

In der Tat! Die Priester (und Bischöfe), die ich persönlich kenne, sind eigentlich ganz nette alte Knaben, engagiert, intelligent und überarbeitet in der Regel. Sie machen alle ihre Arbeit und sie machen sie meistens ganz gut.  Nur einen von ihnen habe ich als “gefährlich” einstufen müssen. Ein anderer tat mir einfach leid, ein zweiter war noch ein “grüner Junge”, ein dritter glaubte nicht an Gott. Aber vielleicht habe ich ihn auch nur falsch verstanden. Mit dem Bischof ließ es sich gut Lachsbrötchen essen und es beruhigte: Er fand dieselben Leute gefährlich, die auch ich so einschätzte. Ich denke, solche Menschen hatte auch Abraham in seiner Heimatstadt getroffen und sie machten für ihn Teil seiner Kirche. Die Priester sind also nur Teil der Kirche, es sind die Haushüter, die Hirten, Lehrer und Zeremonienmeister. Sie sind Koordinatoren, Moderatoren, Motivatoren oder sollten es eigentlich sein. Und da sie nur Menschen sind, mit einer besonderen Aufgabe vielleicht, warum sollten sie dann nicht auch leben, lieben und genießen dürfen Gottes ganze Herrlichkeit wie wir alle? Und war nicht der Gründer des Christentums selber ein Mensch von ausgesprochener Menschlichkeit? War nicht Gott selbst hier Mensch geworden, als wolle er die Früchte kurz, aber intensiv genießen, bis er wieder an die eigentliche Arbeit zurück musste?

Die oberste Behörde

Warum es die netten alten Knaben nicht dürfen? Dazu müssen wir nach Rom zurückkehren, der sündigen Hauptstadt des christlichen Glaubens, auserkoren im Diesseits zu repräsentieren, während das himmlische Jerusalem bekannterweise erst im Jenseits zu betreten ist. Natürlich haben sich seit dem Besuch des Juden Abraham die Zeiten geändert und Päpste und Kardinäle sind ruhiger geworden. Die Sünden der Renaissance sind nicht die heutigen, wenn auch so mancher Skandal der letzten Zeit etwas anderes vorspiegeln mag. Nein, die heutige Sünde besteht aus Arroganz, Verbohrtheit und Vertuschung. In Rom sitzt keine Glaubenszentrale, sondern die oberste Behörde des Glaubens, die in 2000 Jahren mehr Vorschriften und Gesetze aufgestellt hat, immer wieder sich auf Vorschriften und Gesetze der Generation berufend, dass das Kirchenrecht dem Programmcode eines üblicherweise genutzten Computerbetriebssystems erstaunlich ähnelt. Weiß der Philosophie und Kirchenrecht virtuos zitierende Papst Benedikt eigentlich selber noch, auf wessen Felsen er da thront? Er ist doch der Manager eines weltweit agierenden Religionskonzern und steht der Verwaltungseinheit vor. Selbst den Verwaltungsvorschriften dieser obersten Behörde unterworfen kennt er auch keine andere Lösung für die netten Knaben, die in den Bistümern und Pfarreien ihren Dienst tun. Sie haben die Verwaltungsvorschriften zu beachten, Missachtungen ziehen Abmahnungen, Versetzungen, Maßregelungen nach sich. Immer streng nach Vorschrift vorgehen, sonst ist eine Karriere im Konzern Katholische Kirche ohnehin nicht möglich. Auch das Volk der Gläubigen ist den Vorschriften, Anordnungen, ja Gesetzen unterworfen und Widerspruch oder -handlung hatte noch vor Kurzem bittere Konsequenzen. Die Zeiten haben sich gewandelt, der Gläubige kann leicht sagen: Was geht mich Rom an! Sein für ihn zuständiger alter Knabe in der Kirche kann es möglicherweise nicht.

Die Mär vom guten Hirten

Der gute Rabbi Jesus war ganz fasziniert vom Bild des guten Hirten. Und  bis heute tragen die Bischöfe den Stab des Hirten als Zeichen ihres Amtes. Im Altertum war der Hirte auf seine Herde angewiesen, denn sie ernährte ihn und die Herde brauchte den Schutz des Hirten. Im Mittelalter wurde der Hirte immer mehr zum Gutsbesitzer und zum Feudalherren, die Herde bestand aus Vasallen und Unfreien, die willenlos dem Hirten zu gehorchen hatten. In dieser Zeit entwickelten sich maßgeblich die Strukturen und Gesetze der Kirche und als letzter Monarch aus dieser Zeit scheint sich der Papst zu verstehen, gewählt von den Herzögen der Provinzen, die er vorher mit diesem Amt belehnte. Während sich so mancher absolute Firmenboss des 19. Jahrhunderts zum “guten Patron” wandelte und die Arbeiter mit Gewinnbeteiligung, Sozialleistungen und Kindergärten bei der Stange hielt, schaffte es der Monarch in Rom nicht, sich der Zeitenwende anzupassen, sondern verschärfte seinen Absolutismus, was zu weiteren Kirchenspaltungen führte. Heute ist der Hirt jemand, der seine riesigen Herden mit dem Computer und Papierbergen verwaltet, der Behördenchef der obersten Behörde. Sein Zeichen wäre besser der Kugelschreiber und die Kaffeetasse, den Hirtenstab trägt er zu unrecht. Theologisch ist er nicht zu besiegen, denn die Gebäude der obersten Behörde sind aus theologischen Spitzfindigkeiten und scholastischen Sperrzäunen errichtet.

Dezentral statt zentral !

Die größte Bedrohung der Kirche komme heute nicht durch äußere Feinde sondern durch ihre eigenen “Sünden. Papst Benedikt auf dem Weg nach Portugal 2010.

Es ist nicht meine Aufgabe, der Kirchenleitung Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Die Kirchenvolksbewegung arbeitet schon seit Jahren daran, die Kirchenleitung zu einer Einsicht zu führen. Sehr eindrucksvoll in seiner Verzweiflung ist zum Beispiel der Brief von Hans Küng, der den Vertrauensverlust in der Kirche und die Kluft zwischen Herde und Hirten beklagt, um im vorherigen Bild zu bleiben. Die Einheit der Kirche muss dabei unbedingt in ihrer Vielfalt erhalten bleiben. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Katholische Kirche zum Ghetto von erzkonservativen Sekten und Ewiggestrigen wird. Um eine Volkskirche zu erhalten hilft nur eine Kirche vom Volk, der der Papst als Vorsitzender, Moderator und Berater vorsteht. Es wäre ein machtloser Papst, aber ein machtloser Papst kann auch keine Machtgelüste hervorrufen. Ein Papst hat bereits die Krone abgelegt. Es wird Zeit, dass sich auch die oberste Behörde auflöst und der Behördenchef zum Bruder und Berater der Ortshirten macht, statt sie zu bevormunden und zu gängeln. Der Papst würde das Christentum repräsentieren, aber er würde die Vielfalt der unterschiedlichen Kirchen nicht mehr gängeln können, noch nicht einmal die bislang als sein Eigentum begriffenen. Kein Mensch hat einen Eid auf den Papst abzulegen, den noch nicht einmal Jesus Christus verlangt hat, da er sich über unsere Wankelmütigkeit im Klaren war.

Und letztendlich: Ob der alte Knabe in Rom etwas sagt oder in Hamburg fällt eine Tür zu?! Wir haben unser Leben mit dem Chef oben ganz alleine abzumachen. Die Freiheit des Christenmenschen ist schon lange nicht mehr nur ein Begriff, sie ist ganz real.

Euer frommer To.

Das Leben von seiner Schokoladenseite

Gerade in der langen Winterzeit 2010 brauchten wir etwas Aufmunterung. Was bot sich da besser an als Schokolade? In der Fastenzeit mochte ich davon aus naheliegenden Gründen nicht erzählen. Nun, ab Ostern darf man wieder etwas Süßes zu sich nehmen und ich kann wieder an Schokolade denken.

Unsere Freunde haben wir bereits oft mit Hallorenkugeln aus Halle verwöhnt. Unerwähnt blieb bisher, dass Halle auch ein Schokoladenmuseum hat. Das haben wir in der Winterzeit mit unserem Gastkind Paulina besucht und waren begeistert.

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Im Schokoladenmuseum geht es nicht nur um die Geschichte der Schokoladenherstellung in Halle, das natürlich auch, sondern um die Geschichte der Schokolade, ihre Herstellung und Verbreitung. Die meisten Ausstellungsräume sind sehr kindgerecht gestaltet. Aber auch den Großen machte z.B. das Schnuppern an den verschiedenen Gewürzen und Duftstoffen Spaß. Besonders beeindruckend ist natürlich das Schokoladenzimmer. Fast fühlten wir uns wie bei Willy Wonka in der Schokoladenfabrik. Aber das stimmte doch! Wir waren in einer Fabrik und lernten das Leben von der süßesten Seite kennen. Ach ja, und im Gegensatz zu vielen Museen in Deutschland ist dieses hier sogar zweisprachig, was unserer Paulina trotz ihrer guten Deutschkenntnisse das Verständnis doch erleichterte. Hier noch mehr Informationen zum Schokoladenmuseum Halle.

Euer To.

Elefantöse Museumseröffnung

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Am 25. März 2010 war es wieder soweit: Das Landesmuseum für Vorgeschichte lud zu einer neuen Ausstellung ein: Elefantenreich - Eine Fossilwelt in Europa. Der größte jemals lebende Elefant, der Waldelefant, begrüßte uns als Rekonstruktion im Atrium.

Neben  etwa 200 000 Jahre alten Fossilienknochen von Waldelefanten sind auch von anderen Tieren der Vorzeit Knochen zu bewundern: Drei Nashornarten, der Damhirsch, Auerochse, Wildpferd, auch Raubtiere wie Bären, Höhlenhyänen und Höhlenlöwen, sowie kleinere Tiere wie Fuchs, Dachs, verschiedene Mäuse und Gänse, Schwäne und Enten tummeln sich auf der unteren Etage des Landesmuseum. All dies stammt zum größten Teil vom Fundort Neumark-Nord in der Nähe von Halle.  Die belegte Anwesenheit von Menschen in dieser an einem See befindlichen Fauna wird durch die durch die Lanze von Lehringen hervorragend repräsentiert. Mit dieser Lanze aus Eibenholz, die zur Elefantenjagd benutzt worden ist, konnte nachgewiesen werden, dass der Neandertaler auch Großwild jagte und welchen Mitteln er es tat.

Das Elefantenreich ist eine relativ kleine Ausstellung, die sich nur auf dem untersten Stockwerk des Museums befindet. Wieder dominiert das für Halle schon typische Schwarz. Und wieder typisch für Halle: Wundervolle, fast schon geniale Inszenierung der Funde, aber wo bleiben die Kinder? Das kann man auch nicht mit einer elefantösen Kooperation mit dem Zoo kompensieren. Liegt es am mangelnden Durchsetzungsvermögen der zuständigen Museumspädagogik gegen die “Schwarzen”-Museumsmacher Meller/Schauer? Ich weiß es nicht, aber zieht sich durch fast alle Ausstellungen dieses Hauses. Ich glaube fast, es braucht einen Kinderbeauftragten, der schon bei der Ausstellungskonzeption mitwirkt für dieses Haus.

Ja, natürlich hat es uns gefallen. Ganz herzlichen Dank für die Einladung von Dr. Muhl und die herzliche Begrüßung durch Dr. Zich. Und wir werden auch mit unserem Gastkind Paulina noch einmal kommen. Einen Sonderpreis gibt es bei der Eröffnung für das einfallsreiche Büfett. So einen essbaren Knochen hätte ich mir eigentlich zur Erinnerung mitnehmen müssen.

Mehr dazu in Kurzfassung … oder im Elefantenreich selbst … oder im Halleforum.

 Euer To.

 

Rückkehr des Winter

Winterblume

Der Winter ist zurückgekehrt. Der Hof ist mit Schnee bedeckt. Die Kälte hält uns dieses Jahr lange in den Bann. Dabei schreit alles nach Frühling. Wenigstens die Sonne scheint zu den Fenstern herein…

An einem Märzmorgen 2010, der To.

Die Straße gleitet fort …

Am Morgen komme ich durch den Gimritzer Park und fühle mich wie Bilbo auf Wanderschaft:  “Die Straße gleitet fort und fort. Weg von der Insel, wo sie begann …”. Das Wasser ist nicht gestiegen und ich komme an der Schafbrücke über die Saale. Gleich darauf blicke ich auf die Türme der Marktkirche, leider stört das neugebaute und häßliche Mediencentrum diese Sichtachse. Der MDR-Bau ist weniger dem Auge schädlich und gleich darauf begrüßen mich die Glocken der Moritzkirche wie einen alten Freund.  Noch kurz den Weg am Elisabeth-Ensemble, schon bin ich in den Stiftungen und die Tür meiner Bibliothek öffnet sich für einen neuen Tag. Warum ab heute zu Fuß ? Es kann nicht nur am Frühling liegen. Oh nein !

Die Stadtlinie schmeckt mir endgültig nicht mehr! - Immer der Eindruck, die Kontrollen sind  in erster Linie darauf angelegt, die Dauerkunden noch mehr abzukassieren; das Theater mit Marie und dann neue Mitarbeiter, die ausschauen, als wären sie auf einer Demo mit ganz strammen Gesellen rekrutiert worden und sich so auch den Kunden gegenüber benehmen. Ich hatte eine Zeitlang das Gefühl, die Stadtlinie würde sich gut entwickeln, aber diese Kontrollabteilung und die ihr unterordnete (ausgelagerte) Kontrollfirma machen mit Inkompetenz und arroganter Frechheit gegenüber den Fahrgästen alles wieder kaputt. Die Geschäftsleitung kann die Hände in Unschuld waschen.  - Nein, ich habe die Nase voll. Die Stadtlinie hat einen langjährigen Kunden verloren! Herzlichen Glückwunsch !

Viel Zeit habe ich nicht verloren. Mit der Bahn über 25 Min. Zu Fuß 35 Min. Das macht nicht viel aus. Es ist Fastenzeit und ich bin gern auf Schusters Rappen. Für die Straßenbahnkarte kann ich mir sehr viele schöne Schuhe kaufen.

Beim Schlendern, der to. “Die Straße gleitet fort und fort …”